Politikverdrossenheit ist eines von vielen "Gummiworten" das anzeigt, wie es schwierig ist, sich mit politischen Themen und Sachverhalten freiwillig zu beschäftigen, geschweige denn sich politisch zu engagieren. Und weshalb sollten sich junge Menschen mehr gesellschaftspolitisch betätigen, wenn schon die Erwachsenen durch politische Abstinenz glänzen?
Die Ziele, die unter anderen für dieses Fach festgeschrieben sind, gewinnen vor diesem Hintergrund besondere Bedeutung:
Weshalb nun dieses Fach ab Klassenstufe 9? Weil Handlungsstrategien für die Erreichung der gestellten Ziele zu finden unverzichtbare Grundlage eines menschenwürdigen Zusammenlebens in der Gesellschaft sind.
Für die Konzeption des Unterrichts ergeben sich verschiedene Dimensionen, die miteinander verknüpft werden müssen. Neben Wissen über den politischen Handlungsrahmen (Grundgesetz, zentrale Verfassungsprinzipien und internationalen Abkommen), muss eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Problemen, Zielen und Lösungen politischen Handelns stattfinden und der Prozess der Ergebnisfindung analysiert werden.
Dabei spielen die Akteure eine gewichtige Rolle. Aber im Blick auf "Politikverdrossenheit" wird speziell nach Handlungs- und Partizipationsmöglichkeiten für junge Menschen im alltäglichen Leben gesucht.
Politik beginnt im persönlichen Umfeld der SchülerInnen. Die Schule selbst ist ein Lernort demokratischen Handelns. In einem Projekt setzen sich beispielsweise die SchülerInnen der Klassenstufen 9 mit der Frage auseinander, was eine gute Schule auszeichnet. Dabei wird u.a. das finnische mit dem deutschen Schulsystem verglichen. Im Ergebnis werden dann fiktive Briefe an politische Verantwortungsträger geschrieben mit der Zielstellung, Verbesserungsvorschläge für das deutsche Schulsystem zu machen.
Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt ist die Begegnung mit Experten aus dem Bereich Politik und Wirtschaft. In regelmäßigen Abständen werden zu bestimmten Themen solche Spezialisten eingeladen.
Die Klassenstufe 9/10 besucht regelmäßig zum Thema "Rechtserziehung" eine Gerichtsverhandlung und kann so den Ablauf einer Hauptverhandlung eines Straf- oder Zivilprozesses miterleben.
Der Bereich "Wirtschaft" darf bei der heutigen Ökonomisierung der Politik nicht fehlen. Neben allgemeinen Grundlagen der Mikroökonomie stehen Themen wie "Ich mach mich selbstständig - aber wie?", "Wie soll eine gerechte Sozialordnung ausgestaltet sein?", aber auch Projekte mit globalen Inhalten wie beispielsweise "Der Ölpreisschock" oder "Umweltpolitik und Wirtschaft" auf dem Programm.
Um Demokratie hautnah erleben zu können, führen die SchülerInnen in Jahren mit Wahlen zu politischen Ämtern (z.B. vorgezogene Bundestagswahl 2005) auch eine "Schülerwahl" durch. Dabei erweist sich die fächerübergreifende und -verbindende Zusammenarbeit mit Informatik und Mathematik als sehr hilfreich.
Aktualität ist im Unterrichtsfach unverzichtbar. Deshalb werden Recherchearbeiten mit Hilfe des Internets oder aktuellen Zeitungsmeldungen durchgeführt. Außerdem unterstützen moderne Medien wie DVD, Lernsoftware das eigenständige Erarbeiten von politischen Themen.
Harald Rakutt
Gemeinschaftskundelehrer