Auch dieses Jahr wurde, wie in den Jahren zuvor, am 11. April der Befreiung des Konzentrationslagers
Buchenwald gedacht- 2026 zum 81. Mal. Also alles wie immer? Oder doch alles anders?!
Der 11. April 2026 war der erste Jahrestag, an dem keine Zeitzeugen mehr auf der
Gedenkveranstaltung gesprochen haben. Die Zeit, in der Zeitzeugen uns erinnern können, wachsam
und Menschen zu bleiben, ist jetzt wirklich vorbei. Nun liegt es an uns, den nachfolgenden
Generationen, ihr Vermächtnis weiterzutragen. Daher war bei unserem Besuch in der Gedenkstätte am
15. April doch irgendwie alles anders da wir uns mit diesem Wissen auf Spurensuche der
Vergangenheit begaben und uns vor Ort bewusst machten, was ERINNERN wirklich in unserer
GEGENWART bedeutet.
Ironischer Weise schien an diesem die Sonne, was im völligen Kontrast zu dem stand, was wir vor Ort
in Führungen durch drei ausgezeichnete Guides, die mit uns ins Gespräch gekommen sind, im
ehemaligen Lagergelände zu sehen und zu hören bekamen. „Es war sehr eindrücklich, alles nochmal
in echt zu sehen und nicht nur auf Bildern im Buch oder im Internet.“ (Emma)
„Alles war schwer vorstellbar. Es standen viele Ruinen und man konnte sich vieles schlecht
vorstellen. Gleichzeitig waren die Vorstellungen, die man hatte, absolut schrecklich.“ (Jessica und
Paulina)
Erschreckend, wie gut das alles organisiert und geplant wurde. Erschreckend, wie gut dies alles vor
den Augen der schweigenden deutschen Bevölkerung umgesetzt wurde. Denn dies wurde uns an dem
Tag deutlich vor Augen geführt: der Satz „Davon habe ich doch nichts gewusst“ kann so nicht
stimmen. Zu viele Firmen und Privatpersonen haben von diesem System allein im KZ Buchenwald
profitiert oder waren integriert, zu viele Mitmenschen haben weggeschaut, als die Gefangenen direkt
vom Bahnhof in Weimar in das Lager auf dem Ettersberg getrieben wurden.
„Davon habe ich doch nichts gewusst“ – eine nachträgliche Selbstlüge, um das eigene Gewissen zu
beruhigen. Mit diesem Satz konnte man sich auch leichter vor den Fragen der Nachkommen
rechtfertigen.
„Es ist kalt und mir läuft ein Schauer über die Arme. Ich stehe im Leichenkeller unter der
Verbrennungsanlage und mustere mit angewidertem Blick die Haken an den Wänden. Mir wird
speiübel, als ich mir das hier erfahrene Leid vorstelle. Man spürt die Schreie der Leidenden, als hätten
sie sich über die Jahre in den grauen Wänden festgesetzt.“ (Mia)
„Erschreckend, dass direkt neben dem KZ ein Zoo für die SS- Männer und ihren Familien war.“
(Sophie)
„Der Spruch ‚Jedem das Seine‘, welcher am Eingangstor von Buchenwald steht, hat mich am meisten
bewegt, da d
ieser die Kernaussage hat, jeder, der dort gewesen ist, hat es verdient. Brutal ist, dass die
Gefangenen diesen jeden Morgen und Abend lesen mussten, wenn sie sich beim Appell treffen
mussten.“ (Timon)
„Wenn Rassismus und Diskriminierung in Teilen der Gesellschaft wieder als normal gelten, frage ich
mich, was diese Menschen von damals überhaupt mitgenommen haben. Ich wünsche mir, dass die
Menschen mehr Toleranz zeigen und offen sind.” (Fred)
„All diese Eindrücke haben mich wieder erinnern lassen, was ‚Nie wieder ist jetzt‘ wirklich bedeutet,
nämlich Haltung gegen antidemokratische, faschistische Parteien und Gruppierungen zu zeigen und
nicht zu tolerieren, dass rechtsextreme Aussagen wieder salonfähig werden und hinzusehen, bevor es
zu spät ist, dass so etwas NIE WIEDER passieren kann.“ (Ben)
Daher ist es wichtig Haltung zu zeigen und seine Stimme gegenüber Ungerechtigkeit, Ausgrenzung,
Rassismus, Menschenverachtung und Hass zu erheben- wo auch immer sie uns in unserer Gegenwart
– im HEUTE- IM JETZT- begegnen.
Nicht (mehr) wegschauen! Nicht (mehr) schweigen! Haltung zeigen.
Mandy Rolke und Schülerinnen und Schüler der 9 Beta
Erfahrungsbericht – Gedenkstätte Buchenwald von Jonas Döring, 9 alpha
Am 31.03.2026 trafen wir uns in Annaberg-Buchholz und fuhren gemeinsam mit dem Bus zur Gedenkstätte Buchenwald. Gegen 9:45 Uhr kamen wir dort an. Nach unserer Ankunft versammelten wir uns auf einem Platz, wo uns eine Reiseführerin begrüßte und uns zunächst allgemeine Informationen zur Geschichte des Lagers und zum Gelände gab.
Das Konzentrationslager Buchenwald wurde 1937 von den Nationalsozialisten errichtet und war eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Gebiet. Insgesamt waren dort etwa 280.000 Menschen aus vielen verschiedenen Ländern inhaftiert. Viele von ihnen wurden zur Zwangsarbeit gezwungen, und über 50.000 Menschen starben durch Hunger, Krankheiten oder Gewalt. Am 11. April 1945 wurde das Lager von amerikanischen Truppen befreit.
Schon beim Betreten des Geländes fiel mir die besondere Atmosphäre auf. Man hatte das Gefühl, dass dieser Ort eine schwere Geschichte in sich trägt, auch wenn heute vieles leer wirkt.
Nach der Einführung begann die Führung. Zuerst schauten wir uns den Lageplan an. Dabei wurde erklärt, dass viele Häftlinge zunächst am Bahnhof in Weimar ankamen und später auch direkt nach Buchenwald gebracht wurden, als dort ein eigener Bahnhof eingerichtet wurde. Über den Bahnhof kamen Häftlinge aus ganz Europa an. Er war Schauplatz furchtbarer Szenen, als Züge mit halb erfrorenen oder erstickten Menschen eintrafen.
Anschließend gingen wir über die große Straße und bekamen Informationen zur Tankstelle und zum Wach-/Aufsichtsturm, von dem aus das Lager überwacht wurde. Während der Führung wurde immer wieder über den Lagerkommandanten Karl Otto Koch und sein Büro gesprochen. Er war von 1937 bis 1941 Kommandant des Lagers und verantwortlich für schwere Misshandlungen und Korruption. 1945 wurde er von der SS selbst verurteilt und im Lager hingerichtet. Das hat mich nachdenklich gemacht, weil es zeigt, wie brutal das gesamte System war.
Danach kamen wir zum Zoologischen Garten für die Offiziere. Ich fand es schwer zu verstehen, wie so etwas existieren konnte, während die Häftlinge gleichzeitig unter so schlimmen Bedingungen leben mussten. Dieser Gegensatz hat mich besonders beschäftigt.
Ein besonders eindrücklicher Moment war das Tor mit dem Spruch „Jedem das Seine“. Dieser Satz ist mir sofort im Kopf geblieben, weil er in diesem Zusammenhang sehr unmenschli
ch wirkt. Es ist erschreckend, wie so etwas damals benutzt wurde, um das Geschehen zu rechtfertigen.
Im weiteren Verlauf wurde uns auch die Uhr gezeigt, die immer auf etwa 15:15 Uhr (Viertel nach drei) steht. Sie erinnert an die Befreiung des Lagers am 11. April 1945. Ich fand das eindrucksvoll, weil dadurch ein bestimmter Moment aus der Geschichte festgehalten wird.
Außerdem erfuhren wir, dass die Häftlinge täglich zu Appellen antreten mussten, morgens und abends, oft stundenlang und bei jedem Wetter. Wenn man sich das vorstellt, wird einem bewusst, wie anstrengend und belastend der Alltag dort gewesen sein muss.
Wir sahen auch die Kantine sowie die Stellen, an denen früher Gebäude standen, von denen heute nur noch die Umrisse zu erkennen sind. Dadurch konnte man sich besser vorstellen, wie das Lager aufgebaut war und wie viele Menschen dort gelebt haben.
Danach ging es in Richtung Krematorium. Ich bin dort nicht mitgegangen, weil ich den Gedanken daran als sehr grausam empfand und es mir schwerfiel, mir vorzustellen, was dort passiert ist.
Zum Abschluss besuchten wir das Museum. Im Museum haben mich vor allem die persönlichen Gegenstände, Fotos und Berichte bewegt. Dadurch wurde mir klar, dass hinter allem einzelne Menschen mit eigenen Geschichten standen. Besonders die Bücher mit Häftlingsnummern und Markierungen (lebend oder tot) haben einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.
Insgesamt war die Exkursion für mich eine sehr eindrucksvolle und auch nachdenklich stimmende Erfahrung. Sie hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Vor allem wurde mir bewusst, wohin Ausgrenzung und Menschenverachtung führen können. Deshalb finde ich es wichtig, sich an solche Ereignisse zu erinnern, damit sich so etwas nicht wiederholt.
„Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen
Landtag beschlossenen Haushaltes“
